Methoden

März 6th, 2013

Immer wieder werde ich gefragt, nach welcher “Methode” ich arbeite. Die Antwort darauf ist so einfach wie prinzipiell nichtssagend: nach vielen und keiner. Je nach individuellem Einzelfall bastele ich mir manche “Methode” selbst zusammen, eines Teils auf der Basis der Ethologie des Tieres, anderes Teils auf der Grundlage der sogenannten “Lern-Theorien”, manchmal in Zusammenarbeit mit den behandelnden Tierärzten. Hinter den “Lern-Theorien” verbergen sich übrigens keineswegs “unbewiesene Spekulationen”, wie manche Trainer ihren Kunden immer wieder weis machen wollen. Die Lern-Theorien sind reine Biologie, und sie funktionieren, ganz gleich ob man daran glaubt oder nicht. Sie zu kennen und präzise anwenden zu können, ist für das Training von Tieren von so großer Bedeutung, dass B. F. Skinner und Co., die “Lerntheoretiker der ersten Stunde”, sich einst gar zu der provokanten Aussage hinreißen ließen, dass man über das Verhalten von Tieren im Grunde rein gar nichts zu wissen brauche, weil man eben die Lerntheorien habe. So einfach ist es natürlich nicht, denn im Zusammenleben mit Tieren geht es bei weitem nicht nur darum, die Vierbeiner und Federträger zu “dressieren”. Dennoch durchdringt das Lernen sämtliche Bereiche unseres Zusammenlebens mit Tieren.

Über die “Gesetze des Lernens” gibt es so viel zu wissen, dass kein Buch je alles in sich verinnerlichen könnte. Den Lern-Theorien folgt jeder, der im Hinterkopf hat, dass Verhalten häufiger auftritt, wenn es “belohnt” wird und seltener, wenn es “bestraft” wird und seinem Tier gegenüber entsprechend handelt. “Belohnung” verstärkt Verhalten, “Bestrafung” schwächt es ab.

Um Verhalten zu verstärken, arbeite ich gern und häufig mit Futter. Falls Sie diesbezüglich ein Skeptiker sind, verweise ich an dieser Stelle schon einmal auf meinen Blog, der in Kürze auf dieser Seite erscheinen wird (alles braucht seine Zeit) und sich mit verschiedenen Aspekten von Tiertraining und tierlichem Verhalten befassen wird. Futter ist dennoch nur ein Verstärker von vielen, denn “belohnend” wirkt schlichtweg alles, was ein Tier situativ “begehrt”. Das kann neben Futter beispielsweise auch ein Spielzeug sein, eine Berührung, Aufmerksamkeit, eine Aktivität oder etwas, das ein anderer tut – etwa “verschwinden”, wenn man Drohverhalten zeigt. Um einen Bogen zur Gewaltfreien Kommunikation zu spannen: Jede Erfüllung eines Bedürfnisses ist zugleich ein Verstärker und kann – sofern es erforderlich ist – im Rahmen von Trainings genutzt werden. Im Fachjargon spricht man dann von der Nutzung “funktionaler Verstärker”. Mit diesen zu arbeiten ist für das Tier immer angenehmer und langfristig auch erfolgversprechender als gegen sie, auch, wenn das von uns so manches Querdenken verlangt und vieles nicht von heute auf morgen zu erreichen ist. Der Weg der sogenannten “positiven Bestärkung” (bedeutet: “etwas Gutes passiert”), führt jedoch zu echten Veränderungen. Daneben gibt es den Weg der “negativen Bestärkung” (bedeutet: “etwas Gutes hört auf”), den Weg der “positiven Strafe” (bedeutet: “etwas Schlechtes passiert”) und den Weg der “negativen Strafe” (bedeutet: “etwas Schlechtes hört auf”). Ganz grundsätzlich kann man auch damit arbeiten, ohne seinem Tier oder seiner Mensch-Tier-Beziehung in jedem Fall Schlimmes anzutun – dennoch begibt man sich hier immer auf eine höchst gefährliche Gratwanderung, deren Risiken ich persönlich nicht bereit bin, einzugehen.

 

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